Ich erkannte nach Vierteljahrhundert dass mein Schweigen keine Heilung bringt. Ich musste meine Geschichte als Zeitzeugin teilen. Das Schreiben meines Buches »Lauf, Mädchen, lauf« war der erste Schritt, um meine Stimme gegen das Vergessen zu erheben.
Als Überlebende spüre ich heute eine besondere Verantwortung, das Verschleiern der Verbrechen von damals nicht zuzulassen. Der Internationale Gerichtshof (ICJ) hat bestätigt, dass die Ermordung von über 8 372 bosnischen Muslimen in Srebrenica mit dem Vorsatz begangen wurde, „die Gruppe der Muslime von Bosnien und Herzegowina in Teilen zu zerstören“.
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Insgesamt wurden dort über 25 000 Menschen vertrieben.
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Ein Völkermord, der trotz dieser Urteile bis heute von manchen geleugnet wird.
Auch die Verbrechen in meiner Heimatregion dürfen nicht in Vergessenheit geraten: Beim Angriff auf Kozarac im Mai 1992 beschossen serbische Truppen die fliehende Zivilbevölkerung, brannten Häuser nieder und deportierten Frauen ins Lager Trnopolje sowie Männer in die Lager Omarska und Keraterm.
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Mehr als 5 000 Soldaten waren an diesem Überfall beteiligt.
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Damals war ich machtlos – heute kann ich die Wahrheit aussprechen. Mit meinen Lesungen, Vorträgen und Workshops kämpfe ich gegen das Vergessen und setze mich dafür ein, dass die Schrecken von Srebrenica, Prijedor und Kozarac nicht verschwiegen werden. So möchte ich dazu beitragen, dass junge Menschen aus der Vergangenheit lernen und sich für eine friedliche und gerechte Zukunft einsetzen.